Die Diemel (25.9. + 26.9.2021)

 

Eine Zweitagesreise über 30 Kilometer
von 34396 Haueda (Liebenau) bis 34385 Helmarshausen (Bad Karlshafen)


 Erste Etappe (25.09.2021): Von Haueda (Liebenau) bis Trendelburg

 

Zur zweiten Etappe: Diemel von Trendelburg bis Helmarshausen (bei Bad Karlshafen)

 

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Nach längerer Pause haben wir es endlich geschafft, uns zu einer Paddeltour auf der Diemel zu verabreden. Die Diemel ist ein 110 Kilometer langer linker Nebenfluss der Weser, in die der Fluß bei Bad Karlshafen mündet.  Vorweg schon mal ein Fazit, daß die Diemel kein einfacher Fluss ist; das Umtragen an den Wehren ist teilweise schwierig, steinig und riskant.

Wir, das sind Michael Sawosch und ich, Dieter Hucke. Obwohl wir spät dran waren, hielt das letzte Septemberwochenende mildes Wetter mit etwas Sonne für uns bereit.

Unsere Einsetzstelle liegt beim Ort “Haueda” in der Nähe von Liebenau.
Dieser hat neben einem “Diemel-Viadukt” eine echte Gin-Distille namens St.-Alberts zu bieten. Die Einsetzstelle ist relativ komfortabel, als NAVI Adresse empfiehlt sich “Am Berge 3, 34396 Liebenau”.

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Die Einsetzstelle ist für Kanus und Boote gut geeignet und in gutem Zustand. Direkt in der Nähe ist ein kostenfreier Parkplatz. Bitte berücksichtigen, daß es keine Toiletten oder Mülleimer gibt.

Die Destille St. Alberts liegt ca 100 Meter entfernt, dort hat man sich auf Gin -Varianten spezialisiert, man kann verkosten, ein kleiner “Biergarten” liegt vor dem Haus, wo man neben Gin natürlich auch andere Getränke und kleinere Gerichte bekommen kann. 

 

Diese Reise haben wir übrigens mit einem Schlauchboot unternommen, ein Sevylor, Modell Colorado. Für zwei Erwachsene ist das Boot etwas eng, man kann mit wenig Gepäck ganz gut paddeln. Eine Luftpumpe und Flicken sollte man aber dabei haben.

Die Finne des Bootes kann in der Diemel nicht verwendet werden, denn die Wassertiefe reicht an sehr vielen Stellen nicht aus.

 

 

Nun ging es also endlich los, und dieser erste Teil der Reise war wirklich herrlich! Nicht nur, daß wir mit dem Wetter im späten September wirklich Glück hatten, auch die Diemel belohnte uns mit etlichen Wassertieren und Vögeln, wir haben Fischreiher, Enten, einen Otter und sogar eine Wasserschildkröte entdeckt. Das Ufer ist grösstenteils verwildert, daher kann die Tierwelt hier ungestört leben (jaja ausser es kommen Paddelboote!). Für die Diemel benötigt man eine “Befahrungsgenehmigung”, damit nicht zu viele Menschen auf der Diemel herumschippern.

Hier einige Fotos unserer Reise bis zum Wehr Liebenau:

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Enten leben in grosser Zahl am Ufer, jetzt im September waren sie mit ihren fast ausgewachsenen Jungen unterwegs.

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Nach nicht einmal zwei Kilometern kommt das Wehr Liebenau in Sicht. Bei Kilometer 34 kommt ein Abzweig, an dem man sich links hält, das Wehr wird dann rechts umtragen. Das Ganze ist relativ komfortabel und die Aussetzstelle ist in gutem Zustand. 

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Wenn man alles richtig gemacht hat, erreicht man wenige hundert Meter später die Brücke der Körbecker Strasse, die über die Diemel führt.

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Hinter Liebenau auf der linken Seite kommen bald Felswände in Sicht, es ist Muschelkalk, der stark mit Wacholder bewachsen ist. Dort entlang führt ein Wanderweg durch das Diemeltal, der Eco-Pfad.

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Nachdem man die Gemarkung Liebenau verlassen hat, sind es noch gut fünf Kilometer bis Lamerden. Die Strecke selbst ist ohne Besonderheiten, aber die Tierwelt geniesst es, daß in diesem Abschnitt sehr wenig Strassen oder Häuser stören, nur Felder und ein majestätischer Schwan beherrschen hier den Fluss.

An diesem Abschnitt, links von der Diemel, verläuft in etwa 300 Metern die Landesgrenze Nordrhein-Westfalen-Hessen. Auch das Naturschutzgebiet Schwiemelkopf ist auf der linken Seite, allerdings sieht man davon nichts, da die Bäume und Kalkfelsen linkseitig der Diemel keine gute Aussicht erlauben.

Die Gegend um den Schwiemelkopf ist bekannt für viele Schmetterlingsarten,

Zitat:

Das Tal der Schmetterlinge
Anfang 2000 wurden europaweit die wichtigsten Gebiete für den Schutz der heimischem Tagfalter ausgewiesen. Das Diemeltal ist das einzige Gebiet im Norddeutschen Raum, dem dieses Prädikat verliehen wurde. Hier wurden bisher rund 100 Arten der meist farbenprächtigen Schmetterlinge nachgewiesen.

 

 


Bild unten: Die Anlegestelle Lamerden bei Flußkilometer 27 kommt auf der linken Seite in Sicht.

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Wir hatten durch einige Abschnitte manches mal Wasser ins Boot bekommen, unsere Kleidung war teilweise durchnässt. Also haben wir diese Pause in Lamerden zum Trocknen unserer Sachen genutzt, wir hatten vorausschauend Wechselkleidung dabei:

 

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Drei Kilometer hinter Lamerden kommt das Wehr Eberschütz in Sicht, hier sollte man aufpassen. Ein STOP-Schild warnt vor der Einfahrt in den linken Kanal, rechts ist das Wehr mit relativ deutlichem Sog. Vorher sollte man an der rechten Seite anlegen und das Boot umtragen.

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Bild oben: die Wehranlage Eberschütz; Ausstieg vor dem Wehr auf der rechten Seite.

Eine Gruppe Jugendlicher aus Göttingen wagte die Fahrt mit dem Boot über die Wehrkrone, leider habe ich keine Erlaubnis, Fotos dieser Gruppe zu veröffentlichen. Das ganze war relativ riskant, ging aber gut aus, das Boot hing auf der Wehrkrone fest und musste durch Schaukeln und Ruderschieben voran gebracht werden.


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Zwischen Eberschütz und dem nächsten Wehr bei Sielen wird die Strecke abwechslungsreich, was die Diemel selbst angeht. Flaches Wasser, starke Strömung, dann wieder ruhige Abschnitte mit fast schon stehendem Wasser, Waldböschungen, Felder, es ist ein ständiger Wechsel. Unser Boot setzte manches mal auf Grund auf oder stieß an dicht unter dem Wasser liegenden Zweigen an, dann wieder kam es einem so vor, als wenn man auf einem breiten Fluss dahintreibt.

Die Wasserqualität der Diemel scheint gut zu sein, wir konnten öfters bis auf den Grund sehen. Die amtlichen Messungen weisen allerdings einen hohen Nitratgehalt auf, aber es spricht nichts gegen ein erfrischendes Bad im Sommer.

Der Fischreiher links im Bild war zwar sehr scheu und flog immer wieder weg , sobald man etwas näher kam, aber er flog immer wieder vor uns her, landete am Ufer, dann zu einem Baum, rüber aufs Feld. Er hätte nur ein Stück zurück fliegen müssen und wäre uns los gewesen, aber vielleicht wollte er den Spieß umdrehen und uns mal beobachten?

 

Bild unten: Rote Weinranken hängen von den Bäumen ins Wasser, das passte zur herbstlichen Stimmung, die durch die Stille der Natur und den bewölkten Himmel unterstrichen wurde.

 

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Das Wehr Sielen!

Der Ort Sielen, im Jahr 1015 als “Silihem” erwähnt, wurde 1648 nach dem dreißigjährigen Krieg komplett neu aufgebaut. Sielen verfügt über ein Wasserkraftwerk, welches mit einer Fischtreppe ausgestattet ist. Eine Besonderheit für die Aale ist eine extra für sie gebaute Umgehung, ein sogenannter Aalabstieg, damit die Aale lebend an den Turbinen vorbei kommen. Hier am Wehr sollte man sich auf eine längere Pause und eine 300 Meter lange Strecke zum umtragen vorbereiten; vor dem Wehr Sielen geht es rechts raus, von dort trägt man das Boot bis zur Brücke über die Diemel, und setzt es auf der linken Seite der Diemel wieder ein. Ein Rastplatz lädt zum Ausruhen nach der Strapaze ein. 

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Bild unten: Die Einsetzstelle in Sielen, linksseitig der Diemel

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Michael Sawosch und ich kennen uns seit etlichen Jahren. Seit 2003 unternehmen wir kleinere und grössere Paddeltouren, und obwohl wir uns nicht oft sehen, verbindet uns der christliche Glaube, eine gute Freundschaft und eine gemeinsame Zeit in der Musik-Band “Charisma”.

Man mag sagen, daß diese Wochenenden nicht besonders spektakulär sind, Kanufahren ist nicht luxuriös, wenig bekannt; eher das Gegenteil vom Massentourismus. Kaum ein Reiseführer beschäftigt sich mit dieser Art Urlaub, vielleicht, weil man hier wenig Geld verdienen kann. Aber für mich sind diese Wochenenden, die wir etwa einmal im Jahr erleben, sehr wertvoll. Es ist für mich die Zeit von sehr guten Gesprächen, “treiben lassen” im wahrsten Sinne des Wortes, Abstand vom Alltag, sehr viel Natur, und Gemeinschaft mit einem Freund, der über die Jahre stabil in meinem Leben existiert,

Danke, Michael!

 

 

 

 


Die nächste Etappe führt zum Hofgut Stammen, es liegt ca fünf Kilometer hinter Sielen auf der rechten Seite. Die Diemel ist auf diesem Abschnitt sehr naturbelassen, wie in einem Urwald schlängelt sich der Fluss durch Baumwurzeln und Äste. Gleichzeitig nimmt die Strömung zu, so dass wir zeitweise nicht paddeln brauchten, die Strömung transportierte uns vorwärts.

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Dann kam das Hofgut Stammen in Sicht. Wer hier keine Pause einlegt, ist selbst Schuld :-)

Rechtsseitig der Diemel sind Holzplattformen vorhanden, an denen die Boote fixiert werden können. Das Hofgut hat eine gute Auswahl von kalten und heissen Getränken, kleinen und grossen Mahlzeiten, und neben dem Biergarten gibt es viele Sitzgelegenheiten und eine Wiese, auf der man sich ausbreiten kann. Es gibt zwar keinen “Verzehrzwang”, aber es ist fair und angemessen, keine eigenen Mahlzeiten mitzubringen, sondern die Angebote des Hofguts zu nutzen. (Meine persönliche Meinung)

Das Hofgut Stammen gehört zum gleichnamigen Dorf, welches um das Jahr 1000 n.Chr.  als “Stannern” in einem Güterverzeichnis des Klosters Corvey erwähnt wird.  Die Besitzer wechselten oft, auch die Pappenheimer waren zeitweise die Herren. Das Schloß Stammen ist leider nicht mehr zu besichtigen, es ist ein Alten-und Pflegeheim.

Fazit: Plant eine Pause beim Hofgut Stammen ein, es lohnt sich :-)

 


Für den heutigen Tag ging es auf die letzte Etappe, nach Trendelburg.

Laut der Webseite von Trendelburg ist der Ort erstmals im 13. Jahrhundert  in den Corveyer Traditionen unter dem Namen Drenderborch zu finden. Die Lage an einer Furt, später einer Brücke und dem Knotenpunkt wichtiger Verkehrsverbindungen sowie die Bedeutung als Amts- und Gerichtsort begründete die Bedeutung im Mittelalter. Die Burg war in kriegerische Auseinandersetzungen während des Mittelalters und im 30-jährigen sowie dem siebenjährigen Krieg verwickelt.

Bild unten: Die Trendelburg ist schon von Stammen aus zu sehen:

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Hier in Trendelburg mussten wir ein letztes Wehr umtragen, bevor wir das Ende unserer Tagesetappe erreichten.

Das einsetzen hinter dem Wehr war schwierig, denn wir hatten relativ niedrigen Wasserstand, und das Flußbett hinter dem Wehr bestand  aus Kies-Inseln, Schlamm, Zweigen und Ästen. Teilweise musste ich die Hosen hochkrempeln und das Boot durch die niedrigen Stellen ziehen. Die Fotos zeigen das nicht sehr deutlich, aber ihr erhaltet einen Eindruck von der Wehranlage Trendelburg, Flußkilometer 17:

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Nach etwa 100 Metern erreichten wir die Aussetzstelle des Campingplatzes auf der linken Seite. Wir hatten zwanzig Kilometer in rund sieben Stunden zurückgelegt. Obwohl die Diemel eigentlich eine relativ flotte Strömung hat, kosteten uns die Wehre mit dem Umtragen, besonders das Wehr in Sielen, viel Zeit. Aber wir hatten es ja nicht eilig, und so beschlossen wir den Tag bei einem guten Essen in einem Restaurant in Trendelburg.

 

Zur zweiten Etappe: Diemel von Trendelburg bis Helmarshausen (bei Bad Karlshafen)

 

all rights reserved / alle Rechte reserviert. Dieter Hucke, DE-Hofgeismar, Oktober 2021

 

 

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