Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen.
Und hier entsteht durch diesen Kuß deutsch bis zum Meer der Weserfluß

( Carl Natermann, 1899 )

Wesertour von 34385 Bad Karlshafen, Flusskilometer 44,
bis 37671 Höxter / Schloß Corvey, Flusskilometer 71

 

 

Bad Karlshafen, idealer Treffpunkt:

Treffpunkt von Diemel und Weser, Treffpunkt von Hugenotten und Waldensern, Treffpunkt von Hessen, NRW und Niedersachsen,  Treffpunkt der B80 und der B83. Treffpunkt auch für Michael Sawosch und mich (Dieter Hucke), um hier unsere Paddeltour zu starten.

P9302948

Bad Karlshafen (früherer Name Syburg) wurde 1699 von Landgraf Karl  zur Ansiedlung von Hugenotten gegründet. Der Landgraf hatte grosse Pläne mit dem Ort, denn eine Wasserstrasse sollte von dort direkt nach Kassel führen, um die damaligen Zölle von Hannoversch Münden zu umgehen. Aus diesen Plänen wurde nichts, allerdings ist ein grosses Hafenbecken im Stadtzentrum erhalten, das künftig auch wieder für die Schiffe nutzbar sein soll. Wer sich für die Geschichte der Stadt interessiert, sollte das Deutsche Hugenottenmuseum am Hafenplatz 9 besuchen, es zeigt auf zwei Stockwerken die abwechslungsreiche, spannende und teilweise auch traurige Geschichte der Stadt und der Hugenotten im Mittelalter.


Da wir für den Samstag noch Regen erwarteten, planten wir unsere erste Etappe von Bad Karlshafen (Hessen) in das 10 Kilometer entfernte Beverungen (NRW). In der Nähe der Therme Bad Karlshafen ist ein kleiner Parkplatz, der eine Einsetzmöglichkeit zur Weser bietet.
(Navi Adresse: Am Auland 12, 34385 Bad Karlshafen, gegenüber ist der Parkplatz).

Bild unten: Am Parkplatz gibt es eine Einsetzstelle, eine schräge Rampe führt ins Wasser hinein. Man kann mit dem Auto und Bootsanhänger direkt bis ans Wasser fahren. Wir hatten diesmal nur ein Schlauchboot, brauchten keinen Bootsanhänger, dafür eine Luftpumpe! Das Schlauchboot ist von der Firma Sevylor, “Colorado”, und war für diese Tour gut geeignet.

P9302943


P9302950b



P9302966

Gleich  zu Beginn bei Kilometer 44,8 mündet die Diemel von links in die Weser, gleich hinter Bad Karlshafen. Uns fiel übrigens die deutliche Strömung der Weser auf, die uns mit ca. 3 KM/h gut unterstützte. Sehr viele Gänse, Nilgänse, Schwäne, Fischreiher und Enten bevölkern die Ufer, während die Weser in einer grossen Rechtskurve Richtung Norden zieht.

Bild rechts, Kilometer 47-49: Vom ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen rechtsseitig stehen nur noch wenige Gebäude. Die Kühltürme und der eigentliche Reaktor sind abgebaut, immerhin erinnert die Strasse "Zum Kernkraftwerk"  daran, was hier als saubere Energie startete und als Katastrophenrisiko abgeschaltet wurde.

 

 

 

  .P9302978

Etwa auf halber Strecke zwischen Bad Karlshafen und Beverungen mündet rechts der Hechtgraben in die Weser. Er bildet die Grenze zwischen NRW und Niedersachsen, und ab dieser Stelle verläuft die Grenze dieser beiden Länder entlang der Weser.

Wenige Meter nach der Mündung ist rechts ein Yachthafen geschützt in einer kleinen Bucht erbaut worden, "Yachthafen Dreiländereck Lauenförde", (Kilometer 52) der neben einer Slipanlage auch Stellflächen für Zelte, Campingwagen und Wohnmobile bietet. Unmittelbar danach kommen mehr und mehr Häuser in Sicht, links Beverungen, rechts Lauenförde, die nur durch eine Brücke der B241 miteinander verbunden sind.
Mit dem Wetter hatten wir Glück, es war ja laut Wetterbericht Gewitter und viel Regen für den Samstag  Nachmittag angekündigt. Wie man im Bild rechts sieht, hatten wir einige Wolken, ansonsten Sonne bei 17 -19 Grad. Eigentlich ideales Paddelwetter.
 

Die Weser ist wenig reguliert oder begradigt, es gibt auf der rechten Seite viele kleine Einbuchtungen und Buhnen, niedrig liegende Wiesen und grosse Kurven, die bei Hochwasser überschüssiges Wasser aufnehmen können und so verhindern, daß die am Wasser liegenden Ortschaften überflutet werden. 

Wie das im Amtsdeutsch klingt? Na, so :
Rechtsseitig der Weser ist eine Revitalisierung der  Weseraue mit Erhöhung der Retentionswirkung  geplant. Um den Ortskern dauerhaft zu schützen ist  eine Sicherheitslinie entlang der gewässernahen  Bebauung nötig. Weiterhin ist insbesondere die Hochwasservorsorge, speziell Informationsvorsorge, zu forcieren, um auf die Hochwassersituation aufmerksam zu machen und außerhalb liegenden, betroffenen Objekten die Möglichkeit zum Objektschutz zu geben

( gefunden auf Seite 2 im PDF eines Hochwasserplans ! )

So ging das letzte Hochwasser im Wesertal mit 4 Metern Höhe eher glimpflich vonstatten.


Bild unten : In Beverungen haben wir an der linken Seite angelegt, auf Höhe der Weserstrasse.  Dort erwarteten uns ein schön eingerichteter Park mit Bänken und eine grosszügige Aussetzstelle mit einer grossen Wiese.

PA012992

Wir haben im nahegelegenen Hotel Kuhn übernachtet, und durften unser Boot in der Garage unterbringen.  Auch wenn das Hotel eher einfach eingerichtet  ist, war es für eine Übernachtung mit Dusche und Frühstück völlig in Ordnung!


Am Sonntagmorgen ging es bei trockenem Wetter und 17 Grad zur zweiten Etappe bis Höxter/Schloss Corvey (Niedersachsen). Die Weser verläuft ab Beverungen in zehn grösseren Kurven über gut 15 Kilometer nördlich bis Höxter.

Die Reise ab Beverungen verlief ruhig und ohne Verkehrslärm (nur einmal kommt die schwach befahrene L550 rechtsseitig dicht an die Weser heran). Nachfolgend einige Eindrücke von der Abreise in Beverungen :

Gleich hinter der Einsetzstelle in Beverungen ist ein Anleger für grössere Boote. Am Sonntagmorgen war er menschenleer, der einzige Trubel kam von Schwänen und Enten, die sich um die besten Liegeplätze am Ufer stritten.

anleger

 

Fischreiher sind für mich majestätische Vögel ... ! 

fischreiher1

 

Ich will gerne zugeben, daß mir der Angel”Sport” langweilig und öde vorkommt. Aber wir mussten lachen, als wir schon aus einem Kilometer Entfernung vier reglose Gestalten sahen, die sich beim näherkommen über volle 6 Minuten nicht rührten. Ist das nun Entspannung oder Lethargie? Jedenfalls genossen die vier Angler den Sonntagmorgen in völliger Stille. Unser freundliches  “Petri Heil” wurde nicht beantwortet, wir hatten die morgendliche Stille ruinert!

Angler

 

Kurz vor Blankenau (Kilometer 57) steht dieses auffällige ... ja, was? Herrenhaus? Heruntergekommenes Schloss? Villa? Jedenfalls ist es in renovierungsbedürftigem Zustand, aber die Aussicht von dort muss toll sein !

PA013009

 

Beim Überprüfen der Bilder fiel mir diese herrliche Wasserspiegelung der Eisenbahnbrücke auf. Sie überquert die Weser kurz vor der Mündung der Nethe.

PA013037

 

PA013031Alte Eisenbahnbrücken und eine kleine Fährstation bei Wehrden gab es zu sehen, bis  kurz darauf bei Kilometer 62 ein weisses Schloss auf einem Berg auffällt; es ist die
Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG. (Bild rechts)

 

Unten am Fluss ist ein Anleger, so daß man dort auch eine Pause einlegen und das Fürstenberg Museum besuchen kann, welches eine umfangreiche Sammlung von der Porzellanherstellung seit der Biedermeierzeit zu bieten hat.

 

Etwa einen Kilometer weiter auf der linken Seite mündet die Nethe in die Weser. Die Nethe hatten wir in 2007 "bepaddelt"  und bei Godelheim ausgesetzt.

 

 

http://www.dieter-hucke.de/Paddeln/Paddeln_2007/paddeln_2007.html

 

Jetzt nutzten wir die Gelegenheit, ein Stück Nethe-stromaufwärts zu paddeln. Wir kamen da nicht weit, erinnerten uns aber durch den typischen Verlauf und den dichten Uferbewuchs an manch spannendes Erlebnis mit der Nethe, vom Kentern bis zum "Müllberg".


Für die kulturbewussten Leser gibts hier ein Gedicht-Epos über die Nethe:
Dreizehnlinden


Der Heimatdichter Friedrich Wilhelm Weber widmete zu Beginn
seines berühmten Gedichtepos Dreizehnlinden der Nethe einige Verse:
(Auszug vom Kapitel II, Teil 1) − Aus dem Nethegau:[4]

Wonnig ist's, in Frühlingstagen / Nach dem Wanderstab zu greifen
Und, den Blumenstrauß am Hute, / Gottes Garten zu durchschweifen.

Oben ziehn die weißen Wolken, / Unten gehn die blauen Bäche,
Schön in neuen Kleidern prangen / Waldeshöh' und Wiesenfläche.

Auf die Bleiche bringt das Mädchen, / Was der Winterfleiß gesponnen,
Und dem Hain erzählt die Amsel, / Was im Schnee sie still ersonnen. …


Bild unten : Die Nethe mündet bei Kilometer 64 in die Weser.

nethemuendung

 

PA013046


Mein persönlicher Aussenborder, Heckantrieb, Lenker und Navigator: Michael :-)
Wir kennen uns jetzt seit gut 40 Jahren, und immer noch geht uns der Gesprächsstoff nicht aus. Unsere Paddeltouren sind für mich ein besonderes Highlight des Jahres!

PA013054


Die Stadt Höxter kam in Sicht. Obwohl der Stadtkern von Höxter eher auf der linken Weserseite zu finden ist, gibt es bereits vorher bei Kilometer 68 auf der rechten Seite Anlegemöglichkeiten, einen Campingplatz und einen Ruderverein.
Unten im Bild der Ruderverein Höxter.

PA013060

 

PA013066Wir sind aber weitergereist; die Weser macht bei Höxter einen Rechtsbogen, bevor sie hinter Höxter in einer deutlichen Linkskurve Richtung Corvey fliesst. Der Dom von Corvey ist schon hinter Höxter sichtbar (Bild rechts).

Das Benediktinerkloster Schloß Corvey ist 1200 Jahre alt  und Unesco Weltkulturerbe. Dort hat man wertvolle archäologische Relikte aus der Karolingerzeit gefunden, man kann die Anlage besichtigen (Eintritt), und eine Rast im Schloßrestaurant Corvey einlegen. Da in der Nähe ein öffentlicher Parkplatz ist, hatten wir unser Auto dort abgestellt, da wir dort aussetzen wollten.

Direkt an der Parkanlage von Corvey ist links eine Aussetzstelle bei Kilometer 71, die über eine Wiese zu einem  Weg entlang des Klosters zum Parkplatz führt. PKW sind auf diesem Weg verboten, deshalb für die 500 Meter von der Aussetzstelle bis zum Parkplatz ggf. einen Bootswagen einplanen.


PA013087Bild links: ein Blick auf die Aussetzstelle, sie ist gross und mit einer leichten Neigung zum Wasser. Auch für eine Rast ist sie sicher gut nutzbar, bitte aber den eigenen Müll mitnehmen, es sind keine Abfallbehälter dort. Die Aussetzstelle liegt bei Kilometer 71 gleich hinter einer Eisenbahnbrücke auf der linken Seite.

Wer hier weiterreist, sollte den rechten Rand der Weser beachten, dort sind auf Höhe der Heinewiesen haufenweise Buhnen und Einbuchtungen zu sehen, bis nach einem Kilometer der Ort Lüchtringen liegt. Google Maps zeigt das eindrucksvoll.

Zum Abschluss noch eine Zusammenfassung:
Wir sind an diesen zwei Tagen 27 Kilometer gepaddelt, eine kurze Tour, die bei besserer Wetteraussicht länger ausgefallen wäre. Wir waren insgesamt etwa viereinhalb Stunden unterwegs, was eine grobe Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 KM/h ergibt.

 


Bericht von Dieter Hucke, 37124 Rosdorf 
Die Aufnahmen wurden gemacht mit der Olympus TG 810
Oktober 2017, all rights reserved

 

Hauptseite