Der Harlequin :

moderne Variante des Sinclair ZX Spectrum

 

Fertige Platine

Januar 2005: An meinem 42. Geburtstag hatte ich zusammen mit Freunden einen SAM Coupe zusammengebaut. Der Grund war, daß der SAM Coupe im Handel nicht mehr, und gebraucht kaum noch erhältlich war.

Hier gehts zu dem Bericht von 2005

April 2014: Der Sinclair ZX Spectrum ist zwar heute gebraucht noch erhältlich, doch einige seiner Schaltkreise sind heutzutage nicht mehr oder nur sehr teuer zu beschaffen. Wenn man zusätzlich die vergleichsweise schlechte Bildqualität (UHF Kanal 36, oder einen Videoausgang anlöten), und die anfällige interne Spannungsversorgung mittels Sperrschwinger berücksichtigt, ist ein Nachbau mit modernen Schaltkreisen durchaus realistisch.

Spectrum unter der Lupe


Lötkolben, heiss :-)

Man braucht dafür :

  • Den Bausatz
  • einen Lötkolben
  • frischen Kaffee
  • ca 7 - 9 h Zeit
Bohnenkaffee, heiss, nicht verschüttet


Die Hardware des Harlequin-Bausatzes


Die Platine des Harlequin

Ingo Truppel, der im Harlequin Projekt bereits viele Erfahrungen gesammelt und Versionsverbesserungen erzielt hat, bot einen Komplettbausatz mit Platine und sämtlichen IC, Buchsen, Fassungen und Lautsprecher an. Das Gesamtpaket gab es für 83,50 Euro, man konnte die Platine auch allein bestellen.
Die Platine ist doppelseitig mit Lötstopplack hergestellt, in den Abmessungen der originalen ZX Spectrum Platine.

Ingo bot an, die SMD Bauteile bereits aufzulöten, was ich dankbar angenommen habe, denn ich habe mit SMD Bausteinen nur wenig Erfahrung.

Bild links: Die vorbereitete Platine des Harlequin
Links unten ist der Video-IC, rechts der Sperrschwinger.

Bild rechts :
Die Einzelteile waren in Tüten verpackt. Ein grosser Aufwand, der aber sinnvoll war. Die Farbcodes der Widerstände waren teilweise selbst mit einer Lupe nicht gut ablesbar, und eine sehr grosse Hilfe waren die Bezeichungen auf den Tüten, dort stand nicht nur der Wert des Bauteils, sondern auch seine Markierung im Schaltplan (Q6, Q7, Q8...... Transistor SA1175)

So konnte man mit dem mitgelieferten Bestückungsplan relativ sicher und schnell die einzelnen Bauteile zuordnen und auf der Platine einlöten.

Pro Platine sind etwa 220 Einzelteile einzulöten, incl der IC Fassungen und Buchsen. Ingo hatte bereits auf der Platine kleinere Korrekturen vorgenommen, und Vertiefungen ausgefräst. damit die Buchsen glatt aufliegen.

Die Einzelteile


Der Zusammenbau des Harlequin


Die Platine mit Widerständen bestückt

Bild oben:
Auch wenn man kaum weitere Bauteile entdeckt: das einlöten der Widerstände dauerte schon mal eine gute Stunde. Mancher geübte Löt-Virtuose wird das schneller geschafft haben, aber ich hab mir die Zeit genommen und öfters stichprobenweise die Lötstellen und Werte überprüft. Ich liebe den Geruch von Lötzinn! Mir tut die heutige Jugend leid, die kaum noch mit der Elektronik selbst in Berührung kommt, sondern fertige Geräte erhält, ohne je das Innenleben selbst zusammenzubauen.

Bild rechts:  Die Kondensatoren, Widerstandsarrays und erste Buchsen sind eingelötet. Der nächste Schritt: die IC Fassungen werden eingelötet.

Platine mit Buchsen und passiven Bauteilen
ohne ICs, alles andere ist montiert

Bild links: So sieht die fertige Platine aus, bevor die ICs in ihre Sockel kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich wohl gute fünf Stunden benötigt, eine herrliche Zeit mit Selbstgesprächen, Bauteile-anknurren und leisem schimpfen, wenn ich mir die Finger an einem heissen Lötpunkt verbrannt hatte. Herrlich!

In der Bestückungsanweisung waren viele gute und nützliche Tips, der wichtigste war wohl, daß die Diode D13 nicht durchkontaktiert ist. Bedeutet, diese muss man auf der Unter- und Oberseite anlöten. Elektrolyt-Kondensatoren nach Möglichkeit liegend montieren, damit das Gehäuse nachher passt, Buchsen zusätzlich einkleben, damit sie sich nicht lockern.

Wenn ich nun meine Tips auflisten sollte, würde ich folgendes noch dazu schreiben:

  • Genug Zeit einplanen, das ist ein HOBBY! :-)
  • Den “Arbeitsplatz” sauber halten, Drahtreste beseitigen
  • Immer für genügend Kaffee sorgen ;-)
  • Lötpunkte kritisch prüfen, auch auf Berührungen
  • Zinnspritzer mit einer Bürste beseitigen.
  • IC Beinchen auf sicheren Sitz in der Fassung prüfen
  • Einbaurichtung der Flachbuchsen der Tastatur beachten
  • Vor dem einsetzen der IC die Grundspannungen prüfen

 

Bild unten: die fertig bestückte Platine !

Lötpunkte kontrollieren
komplett bestückt


Der erste Test !


Wie in den Tips hoffentlich gelesen, sollte man die bestückte Platine ohne die ICs erstmal auf ihre Grundspannung testen. Auf der Platine ist ein Dreier-Pin J14, da sollten die 9-12 Volt vom Netzteil,  und die intern erzeugten 5 Volt vom Spannungswandler auf der Platine anliegen.

D12 ist eigentlich ein Brückengleichrichter zum Verpolungsschutz, der aber absichtlich weggelassen wurde. Die Drahtbrücken sind so eingelötet, daß ein Spectrum Netzteil mit Pluspol aussen, richtig funktioniert.

Der Jumper J12 auf dem Bild ist momentan in der linken Position (Foto), damit wird das TEST-ROM des Harlequin aktiv.

Videokabel anschliessen, Fernseher an, Netzteil anstecken ...

BINGO !

jumper
testbild

Bild oben :

Das Testbild des Spectrum ist einwandfrei, die Streifen auf diesem Foto sind durch die Kamera bedingt. Punkt 4 bringt ein farbiges Testbild auf den Schirm, die Qualität ist im Gegensatz zum normalen TV Signal sehr viel besser!
In den folgenden Tests habe ich dann den SRGB/SCART Ausgang getestet, sowie das DIV-IDE, welches ebenfalls ohne jegliche Probleme läuft.

Nach umschalten auf das Spectrum-ROM kam der vertraute schwarze Reset-Bildschirm, gefolgt von der Meldung :

C 1982 Sinclair Research LTD


 


Mein Fazit zum Harlequin


Der Harlequin ist in meinen Augen ein würdiger Nachfolger des Sinclair ZX Spectrum 48K. Kompatibilität, Stromverbrauch, Bildqualität und eine zeitgemässe Videoausgabe sind für mich die Pluspunkte des Harlequin.

Die Kosten von rund 85 Euro plus Gehäuse und Netzteil sind mehr als angemessen, wenn man den hohen Aufwand und das Material zusammenrechnet.

Die Qualität der Bauteile sind Industrie-Standard, die Platine mit Lötstopp-Lack ist qualitativ einwandfrei. 

Ingo Truppel hat mit diesem Projekt eine riesige und einzigartige Arbeit geleistet!

Über  100 Bausätze mit rund 22.000 Einzelteilen, auf den 100 Platinen Patche gelötet, SMD Chips eingelötet, das bestellen bei verschiedenen Lieferanten, erstellen der Bausatzdokumentation mit Stückliste und Bauanweisungen, das zusammenpacken in einzelne Tüten und vorbereiten zum Paket, der Versand an deutsche und ausländische Adressen,   das alles ist eine Arbeit, die mir höchsten Respekt abverlangt. 


Danke, Ingo Truppel!

Dieter Hucke, Bergisch Gladbach, im April 2014

Die Unterlagen zum Harlequin sind auf der 8bit-wiki.de unter diesem Link abgelegt!

  

Hauptseite